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„Chronischer Schmerz ist systembedingt“

Mehrere Millionen Menschen in Deutschland leiden an chronischen Schmerzen. Die

Schmerzen bestimmen den Alltag, zerstören die Lust auf Aktivitäten, isolieren die Be­

troffenen und schränken ihre Lebensqualität ein. Unverständlich ist, dass es bisher

in unserem Gesundheitssystem noch nicht gelungen ist, diesen Betroffenen eine flä­

chendeckende adäquate Behandlung zu gewährleisten. Oft müssen Betroffene mo­

natelang auf einen Termin bei einem schmerztherapeutisch tätigen Arzt oder in einem

Schmerzzentrum warten. Das Problem der Unterversorgung dieser Patienten ist seit

Jahren bekannt. Chronischer Schmerz

kam nach meiner Kenntnis ja nicht plötz­

lich wie eine ansteckende Infektions­

krankheit über uns, sondern entwickelt

sich durch eine jahrelange systembe­

dingte Fehl- und Unterversorgung.

Wir müssen also etwas am System än­

dern. „Schmerzmedizin“ muss im Studi­

um obligat sein und den jungen Medizin­

studenten stärker vermittelt werden mit

dem Ziel, einen Facharzt für Schmerz­

medizin einzuführen. Darüber hinaus

muss die Versorgungsdichte den Milli­

onen Betroffenen gerecht werden. Hier

sind insbesondere die Ärztekammern

und Kassenärztlichen Vereinigungen ge­

fordert. Kurzfristige Lösungen bis zum

Aufbau einer fachlichen und flächende­

ckenden Versorgung könnten Integrierte

Versorgungsverträge sein, die eine mög­

liche weitere Chronifizierung zumindest

aus den häufigsten akuten Schmerzen

(z. B. Rückenschmerzen) verhindern.

Harry Kletzko,

Vorstandsmitglied und Geschäftsführer

der IMC (Integrative Managed Care) GmbH

Dr. Silvia Maurer,

Leiterin des Regionalen Schmerzzentrums

DGS Bad Bergzabern und Vizepräsidentin Deutsche Gesellschaft

für Schmerzmedizin e.V. (DGS) (links im Bild)

„Wir brauchen mehr Schmerzpsychologen“

Schmerzpatienten benötigen auch eine

gute psychologische Betreuung. Das

Problem: Die Unterscheidung zwischen

psychologischen und ärztlichen Psycho­

therapeuten ist schon schwer zu ver­

stehen. Unter letzteren findet ein Patient

nur schwer bis gar nicht heraus, wer mit

Schmerzpatienten arbeitet, da es kei­

ne adäquate Bezeichnung dafür gibt.

Anders ist es bei den psychologischen

Psychotherapeuten, die eine Fortbildung

von der Deutschen Gesellschaft für

psychologische Schmerztherapie und

Forschung (DGPSF) durchlaufen kön­

nen. Diese Schmerzpsychologen wären

zwar für den Patienten über die DGPSF

zu finden – aber es gibt in ganz Deutsch­

land nur 265 von ihnen.

Nur die Landesärztekammer in Rhein­

landpfalz ist auf Schmerz fokussiert. Dort

haben wir 26 Schmerzpsychologen,

aber die dürfen ausschließlich erwachse­

ne Patienten behandeln. Das reicht ein­

fach nicht. Ich würde mich freuen, wenn

es mehr wären.

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