Previous Page  6 / 20 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page 6 / 20 Next Page
Page Background

„Selektivverträge sind die Lösung“

Gerade bei chronifizierenden Schmerzen ist die zeitnahe Kooperation mit weiteren

Fachärzten notwendig, etwa Orthopäde, Radiologe, Neurologe oder Schmerzthe­

rapeut. Doch gerade hier mangelt es an einer Schnittstellenbeschreibung: Wann

überweise ich wohin? Hier funktioniert die bestehende Versorgungssteuerung

nicht optimal. Für mich sind Selektivverträge die Lösung: Der Deutsche Hausärz­

Einer aktuellen Untersuchung zufolge

klagen über 23 Millionen Deutsche (28%)

über chronische Schmerzen. Knapp

1.000 niedergelassene Schmerzmedizi­

ner versorgen derzeit circa ein bis zwei

Millionen Patienten mit problematischen

Schmerzen im Rücken, im Kopf, an den

Nerven und mit anderen Nicht-Tumor­

schmerzen. Die Hauptlast der Versor­

gung tragen niedergelassene Ärzte. Die

qualitätsgestützte schmerzmedizinische

Versorgung durch anerkannte Schmerz­

praxen und Schmerzambulanzen ist also

weit davon entfernt, als „sichergestellt“

bezeichnet zu werden.

Es mangelt an ärztlichen Schmerzthera­

peuten, Schmerzambulanzen, fachkun­

digen Psychotherapeuten sowie an einer

Vernetzung dieser Strukturen und an

einem speziellen Qualitätsmanagement

für Schmerztherapeuten. Dringend erfor­

derlich wäre hier eine Vereinheitlichung

der Qualitätssicherungsstandards, die

alle Schmerztherapeuten zu erfüllen und

auch regelmäßig zu rezertifizieren hätten.

Im Juli 2015 wurden deshalb neue überprüfbare Struktur- sowie Prozesskriterien als

Konsens aller Fachgesellschaften in der Schmerzmedizin veröffentlicht. Damit können

zukünftig schmerzmedizinische Einrichtungen in Deutschland klassifiziert werden, um

letztendlich daraus einen Bedarf zu definieren und eine Sicherstellung zu gewährleis­

ten oder anstreben zu können.

teverband hat eine Vorreiterrolle einge­

nommen und gemeinsam mit anderen

Spezialisten die „Versorgungslandschaft

Schmerz“ entwickelt.

In diesem sektoren-übergreifenden

Konzept für eine Integrierte Versorgung

sind Protokolle für Diagnostik, Therapie

und Überweisung die Kernpunkte. Zu­

dem sind gemeinsame Fortbildungen

vorgeschrieben.

Dipl.-Med. Ingrid Dänschel,

Vorsitzende des Sächsischen

Hausärzteverbandes e.V. (SHÄV),

Stellv. Bundesvorsitzende Deutscher

Hausärzteverband e.V. (DHÄV)

(links im Bild)

San.-Rat Dr. Oliver Emrich,

Leiter des Schmerzzentrums DGS Ludwigshafen

und Vizepräsident Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS)

„Wir brauchen einheitliche

Qualitätssicherungsstandards“

6