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„Rechtzeitig gegensteuern, bevor die

Chronifizierung einsetzt“

Ich kenne viele Kinder, die aus soge­

nannten Schmerzfamilien stammen, und

plädiere für eine Gesundheitsedukation

„an der Basis“, also bereits in der Grund­

schule und in weiterführenden Schulen,

um rechtzeitig gegenzusteuern, bevor

eine Chronifizierung einsetzt.

Dr. Astrid Gendolla,

Neurologin im

Schmerzzentrum DGS Essen

(links im Bild)

Birgitta Gibson,

Vizepräsidentin

Deutsche Schmerzliga e.V. (DSL)

„Patientenautonomie funktioniert nur

auf Augenhöhe mit dem Arzt“

Die Versorgung von chronischen Schmerzpatienten in Deutschland ist unzurei­

chend. In manchen Gegenden herrscht fast „ein schwarzes Loch“, wenn es um eine

adäquate Versorgung geht. Die Patienten haben ein Recht auf Schmerzmedizin!

Und zwar auf kompetente Schmerzmedizin, die nicht in einer kurzen Zusatzausbil­

dung erworben werden kann. Hier stellt sich die Forderung nach dem Facharzt für

Schmerzmedizin.

Solange die Möglichkeit einer psycho­

logischen Schmerztherapie im Ge­

samtkonzept einer multimodalen Be­

handlung so selten angeboten werden

kann, ist für viele Schmerzkranke die

Selbsthilfe ein wichtiger Baustein in der

Schmerzbehandlung. Sie stellt darüber

hinaus einen gewissen Ersatz dar. Sie

unterstützt den Menschen in seinem

Selbstmanagement des chronischen

Schmerzes, was oft das Zurück in ein

relativ „normales“ Leben bedeutet. Die

gesetzlich festgeschriebene Patienten­

autonomie kann nur im partnerschaft­

lichen und kommunikativen Verhältnis

von Arzt und Patient „auf Augenhöhe“

umgesetzt werden. Das braucht Ge­

sprächszeit! Chronische Schmerzpati­

enten sollten in Sozialgerichtsverfahren

nicht von fachfremden Gutachtern be­

urteilt und damit oft großer Pein ausge­

setzt werden.

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