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„Multimodale Schmerztherapie kommt

oft zu spät“

Die multimodale Schmerztherapie kommt also zu spät zur Anwendung. Bei Selektiv­

verträgen kann man früher eingreifen und nicht erst, wenn das Kind im Brunnen

liegt. Daher müssen Selektivverträge meines Erachtens in die Regelversorgung.

Für den Einsatz der „Multimodalen

Schmerztherapie“ gibt es fünf Kriterien.

Das ist gut, weil klar definiert ist, wann sie

zur Anwendung kommt. Gleichzeitig ist

das aber auch prekär, denn sie kommt

erst zum Einsatz, wenn schon nachhal­

tige Komplikationen aufgetreten sind;

wenn es psychische Begleiterkrankun­

gen gibt, die den Schmerz unterhalten,

der Patient also psychopathologisch ver­

ändert ist; wenn Medikamentenfehlge­

brauch oder -missbrauch vorliegt; wenn

es schwerwiegende physische Begleiter­

krankungen gegeben hat wie Herzinfarkt

oder Gastritis.

Prof. Dr. Dipl.-Psych. Hartmut Göbel,

Ärztlicher Direktor Schmerzklinik DGS Kiel

(rechts im Bild)

Prof. Dr. Bertram Häussler,

Vorsitzender der Geschäftsführung des

IGES Instituts, Vorstandsmitglied Deutsche

Gesellschaft für Integrierte Versorgung im

Gesundheitswesen e.V. (DGIV)

„Uns fehlt eine Versorgungssteuerung“

Angesichts der geringen Überweisungsraten und der großen Zahl der unbehandel­

ten Patienten kann man nicht wirklich von einer Versorgungssteuerung sprechen:

Die Überweisung von Hausärzten oder Fachärzten an die richtige Adresse hängt

noch immer davon ab, ob sie überhaupt über schmerzmedizinische Angebote in­

formiert sind bzw. diese ernst nehmen.

Angesichts sehr langer Wartezeiten

scheint der Bedarf so hoch zu sein,

dass bereits unter den gegenwärtigen

Verhältnissen eine deutlich höhere Zahl

von spezialisierten schmerzmedizi­

nischen Praxen bestehen könnte. Die

Planungssicherheit sollte in dieser Hin­

sicht gegeben sein.

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